13 Juli 2008
Scorpion - Der Kämpfer - FRA 2007
OFDB-LinkGenre(s): Action / Drama / Kampfsport
Laufzeit: ca. 84 Min.
Alterseinstufung: Keine Jugendfreigabe
Inhalt:
Angelo ist der „Scorpion“. Sein Leben ist das Thai-Boxen, bis er bei einer Schlägerei seinen Herausforderer tötet. Es war ein Unfall, doch Angelo muss hinter Gitter. Nach der Entlassung aus dem Knast ist er am Boden, seine Boxkarriere scheint am Ende zu sein. Da macht ihm der einflussreiche Wettkartellboss Marcus ein verlockendes und zugleich gefährliches Angebot: Er soll bei illegalen und brutalen Untergrundkämpfen für ihn in den Ring steigen, mit der Aussicht, damit viel Geld zu verdienen. Zögerlich willigt Angelo ein. Doch dann lernt er Virgine kennen, und diese Begegnung verändert sein Leben. Durch sie wird sein Kampfgeist wieder geweckt...
Kritik:
Gefühlt gibt es sicher tausende Billigproduktionen über Kampfsportler, die sich bei illegalen Freefights verdingen. Die meisten sind auf die Kloppereien beschränkt und können sonst nichts bieten.
Scorpion ist hier anders, doch das war mir auch nicht ganz recht.
Denn die gezeigten Kämpfe sind nicht besonders zahlreich und waren für meine Begriffe auch nicht sonderlich spektakulär inszeniert. Es gibt wechselseitig was auf die Zwölf, Blut fliesst auch, aber Angelo erholt sich recht schnell von den Kämpfen. Vom Stil her sind diese Freefights á la UFC sicher auch nicht jedermanns Sache. Ich bevorzuge da schon eher visuell ansprechendere Kloppereien im Muay-Thai-Stil - die müssen dann auch nicht 100% realistisch sein.
Die Zeit zwischen den Kämpfen nutzt Angelo anfangs pflichtschuldig zum Trainieren, aber immer stärker rückt eine Beziehungskomponente in den Mittelpunkt des Films.
Er verliebt sich schlagartig in Virginie, die sich als alleinerziehende Barfrau und Gelegenheits-Prostituierte durchschlägt. Am Tiefpunkt seines Lebens idealisiert er diese gar nicht perfekte Frau.
Nicht nur hier hebt sich Scorpion deutlich zu den anfänglich erwähnten Billigproduktionen ab. Deswegen ist es auch schade, dass man aus den Drama- und Thriller-Elementen nicht mehr gemacht hat, um das Ganze etwas weniger vorhersehbar und spannender zu gestalten. Dazu noch ein paar mehr Kämpfe, die durchaus auch mal ausserhalb des Rings hätten stattfinden dürfen, und schon wäre ein richtig guter Genrebeitrag herausgesprungen, den Mann sich auch mal mit seiner Partnerin anschauen könnte.
Nunja, mag sein dass meine Ansprüche in der Beziehung etwas zu hoch gegriffen sind.
In der vorliegenden Form allerdings wird meiner Meinung nach der Beziehung zu viel Raum im Film gegönnt und wegen der eher seltenen Action kommen durchaus Längen auf.
Deswegen leider nur Durchschnitt.
Screenshots: Marcus (Francis Renaud) holt Angelo (Clovis Cornillac) aus der Gosse, ...

...damit er für ihn kämpft.

Angelo lernt Virginie (Karole Rocher) kennen, ...

...doch auch sie wird von Marcus ausgenutzt.

Normale Wertung: 5 von 10 Punkten
Labels: 2007, ab18, Frankreich
10 Juli 2008
Medium (TV-Serie) - Season 3 - USA 2007
OFDB-LinkGenre(s): Drama / Krimi / Mystery - Serie
Laufzeit: 22 Episoden á ca. 41 Min.
Alterseinstufung: FSK 16
Inhalt:
Allison Dubois (Patrica Arquette), Mutter von drei Kindern und verheiratet mit einem Raketenspezialisten, hat ganz besondere Fähigkeiten: Sie kann mit toten Menschen sprechen, in ihren Träumen in die Zukunft sehen und häufig die Gedanken anderer Menschen lesen.
Ihre Begabung stellt sie in den Dienst der Justiz. Als Mitarbeiterin des Bezirksstaatsanwalts kann sie ihre paranormalen Erfahrungen einbringen, um bei der Aufklärung bzw. Verhinderung von Verbrechen zu helfen.
Kritik:
Medium bietet den Fans der Serie auch in der dritten Staffel wieder solide Mystery-Unterhaltung rund um Allison Dubois und ihre Familie. Gerade die Mischung der teils düsteren Kriminalfälle mit dem Familienleben und der zunehmend stärker zutage tretenden medialen Begabung ihrer Töchter unterscheidet Medium deutlich positiv von anderen Serien.
Während man sich bei Allison mittlerweile an ihre ungewöhnlichen Träume und Visionen gewöhnt hat, sieht man doch an ihren Töchtern sehr gut, was für eine Belastung diese Gabe sein kann. Hier variieren die Autoren die Grundthematik auch sehr schön, so gibt es z.B. eine Folge, wo Bridget ihre Träume in Form von Zeichentrickfiguren empfängt (3x01). In einer anderen Folge erleben Ariel und ihre Mutter denselben Mordfall aus unterschiedlichen Blickpunkten (Mutter / Tochter) (3x07).Die Qualität der Episoden ist dabei im Durchschnitt weiterhin recht gut. Für mich persönlich gab es eigentlich nur zwei Episoden, die ich als sehr langweilig empfunden habe.
Kritik möchte ich allerdings schon äussern, denn ein Grundelement vieler Folgen stösst mir mittlerweile doch etwas sauer auf. Nämlich Allison's impulsiver Drang jedem Traum sofort nachzugehen, obwohl nicht nur der Zuschauer, sondern auch sie mittlerweile zur Genüge weiss, dass sich viele Träume im Verlauf der Episode in eine ganz andere Richtung entwickeln, als zunächst gedacht bzw. zuächst nur Bruchstücke eines Falls zu erkennen sind.
Das ist wohl auch den Autoren bewusst. So erinnert sie ihr Ehemann in einer Folge eindringlich daran, doch nicht nach jedem Traum zu nachtschlafener Zeit ihren Verbindungsmann bei der Polizei wachzuklingeln, um ihm sehr vage Andeutungen zu übermitteln.
Dieses Element wirkt für ein erfahrenes Medium, die praktisch ihr ganzes Leben schon mit diesen Träumen leben muss, oft etwas unglaubwürdig.
Auch kann man sicher kritisieren, dass es manchmal nicht allzu schwer fällt, sich den "Clou" einiger Folgen schon sehr schnell zusammenzureimen. Als Beispiel nehme ich da mal die "Exorzist"-Episode (3x16), wo ich nach wenigen Minuten schon ahnte, was in Wirklichkeit vorgeht.
Natürlich gibt es auch wieder einige Episoden, die man als Highlights bezeichnen kann. Zuerst fällt einem natürlich das dreiteilige Staffelfinale ein, was sehr spannend gemacht ist und mit einem leichten Cliffhanger endet. Sehr gut gefiel mir auch die Episode, wo man Allison in einer zweiten Zeitebene als junges Mädchen sieht, die wiederum von ihrer Zukunft mit Mann und Kindern träumt (3x15).
Fazit: Medium bietet weiterhin recht abwechlsungsreiche und solide inszenierte Mystery-Unterhaltung. Auch wenn man sich mittlerweile als Zuschauer an so manche falsche Fährte gewöhnt hat, bleibt die Serie weiterhin bei meinen Favoriten, was zum einen an dem tollen Cast liegt und zum anderen an der ungewöhlich guten Mischung aus Krimi, Mystery und Familie.
Screenshots: Allison Dubois (Patrica Arquette) und der Staatsanwalt bei einer Anhörung.

Episode 3x07: Ein Mordfall aus Sicht von Mutter und Tochter.

Serien-Wertung: 7 von 10 Punkten
Labels: 2007, ab16, Serie, USA
05 Juli 2008
Glück im Spiel - USA 2007
OFDB-LinkGenre(s): Drama
Laufzeit: ca. 123 Min.
Alterseinstufung: FSK 6
Inhalt:
Profi-Pokerspieler Huck (Eric Bana) setzt gerne alles auf eine Karte. Bei der World Series of Poker in Las Vegas will er groß abräumen, doch dann kommen unvorhergesehen Gefühle ins Spiel. Zum einen verliebt er sich in die Sängerin Billie Offer (Drew Barrymore), die in der Stadt ein neues Leben beginnen will. Zum anderen nimmt der legendäre L.C. Cheever (Robert Duvall) an dem Wettbewerb teil - sein übermächtiger Vater, vor dem er Zeit seines Lebens floh. Huck muss sich den Dämonen stellen und weitaus mehr riskieren, als ihm lieb ist.
Kritik:
Nachdem man Glück im Spiel (OT: Lucky You) gesehen hat, kann man sich fast bildlich vorstellen, wie sich die Macher die Köpfe zerbrochen haben, um ja niemanden unter den Zuschauern zu enttäuschen. Und so wurde der Geschichte um einen Pokerspieler noch ein kleiner Romantikteil angefügt, in dem Drew Barrymore zum x-ten Mal ihren Standardcharakter spielt.
Letzterer kann man dabei nicht unbedingt einen Vorwurf machen, denn es liegt schlicht an der Konzeption des Drehbuchs, dass der Film sich zwischen die beiden Genres (Sport und Romantik) platziert und dabei beide Bereiche in Mitleidschaft zieht.
Der Romantikteil dient reinen Alibi-Zwecken und ist so dermassen lieblos, dass man sich nur wundern kann, warum er überhaupt eingebaut wurde. Nachvollziehbarkeit für die plötzliche Liebe sucht man jedenfalls vergeblich.
Die Laufzeit hätte man sinnvollerweise lieber in den Pokerteil der Geschichte investieren sollen, der dem Film insgesamt die durchschnittliche Bewertung rettet. Denn auch wenn keinerlei Pokerlaien eine Bekehrung zu fürchten haben, so gelingt es doch recht passabel und eingermassen ernsthaft die Faszination des Spiels einzufangen. Man konzentriert sich mehr auf Taktik und Psychologie, statt wie zuletzt in Casino Royale einfach nur extrem seltene Traumhände aufzufahren.
Die vielen Gastauftritte von bekannten Pokerspielern und die spassigen Sidebets tragen ebenfalls dazu bei, eine nette Atmosphäre zu erzeugen.
Doch auch wenn der Pokerteil ordentlich gelungen ist, bleibt man letzlich auch hier hinter den Möglichkeiten zurück und kann mit dem Poker-Geheimtipp Rounders nicht mithalten. Auch der Schluss dürfte dabei sicher dem einen oder anderen etwas zu sehr auf ein massentaugliches Happy-End gebügelt sein.
Aber das hat dieser Pokerfilm mit anderen Sportfilmen gemeinsam.
Wer also dieser "Sportart" nicht gänzlich abgeneigt ist, der kann durchaus einmal zur DVD greifen...
Screenshots: Huck (Eric Bana) ist Pokerspieler mit Leib und Seele.

So nimmt er Billie (Drew Barrymore) zu ihrem ersten Date auch zu einem Pokerspiel mit.

Sein härtester Gegner ist allerdings sein Vater (Robert Duvall).

Normale Wertung: 5 von 10 Punkten
30 Juni 2008
Cassandras Traum - USA 2007
OFDB-LinkGenre(s): Drama
Laufzeit: ca. 108 Min.
Alterseinstufung: FSK 12
Inhalt:
Zwei Brüder aus der Londoner Arbeiterklasse leben in beständigen finanziellen Schwierigkeiten und von gnädigen Unterstützungszahlungen ihres reichen Onkels Howard (Tom Wilkinson): Ian (Ewan McGregor) versucht sich als Investor, Terry (Colin Farrell) liebt Whiskey und Glücksspiele. Als er gewinnt, kaufen sich beide die Yacht "Cassandra's Dream". Terry verliebt sich in Angela (Hayley Atwell). Doch wer an das Geld des Onkels will, muss buchstäblich über Leichen gehen.
Kritik:
Woody Allen's dritter London Film nach Match Point und Scoop kann nicht ganz das Niveau der Vorgänger halten. Trotzdem weiss das Drama, dass sich im Verlauf zu einer astreinen griechischen Tragödie entwickelt, zu unterhalten.
Das liegt an der Leichtigkeit, mit der Allen das Geschehen präsentiert. Die beiden Brüder, die ständig über ihre Verhältnisse leben und vor allem Ian, der um jeden Preis zur besseren Gesellschaft gehören will, sind glaubhaft geraten. Mehr noch allerdings ihre beiden Freundinnen Angela (Hayley Atwell) und Kate (Sally Hawkins) - beide konnten mich mit ihren gegensätzlichen Rollen schauspielerisch voll überzeugen.
Die Geschichte wird ohne grosse Längen erzählt, muss sich aber vorwerfen lassen, dass sie letztlich doch recht vorhersehbar ist.
Auch wenn Cassandras Traum nicht zu Woody Allen's Meisterwerken gehört, so ist es doch ein guter Film geworden.
Screenshots: Die beiden Brüder Ian (Ewan McGregor) und Terry (Colin Farrell)...

...und ihre Frauen.

Normale Wertung: 7,5 von 10 Punkten
18 Juni 2008
Das Perfekte Verbrechen - USA 2007
OFDB-LinkGenre(s): Thriller
Laufzeit: ca. 109 Min.
Alterseinstufung: FSK 12
Inhalt:
Auf den ersten Blick haben der aufstrebende Staatsanwalt Willy Slocum (Ryan Gosling) und der Ingenieur Thomas Crawford (Anthony Hopkins) nichts miteinander gemein. Doch als Crawford kaltblütig seine Frau erschießt, stehen sich die beiden plötzlich als Gegner vor Gericht gegenüber. Eigentlich soll der sonnenklare Fall der krönende Abschluss von Slocums Karriere als Staatsanwalt sein, bevor er als Wirtschaftsanwalt ein neues Leben beginnt. Doch während der Verhandlung entwickelt sich der todsichere Fall immer mehr zu einem Albtraum für Slocum. Denn während seiner Nachforschungen stößt er auf ein immer dichter werdendes Netz von Lügen und Verrat.
Kritik:
Es ist hauptsächlich den beiden Hauptdarstellern zu verdanken, dass Das Perfekte Verbrechen den Zuschauer recht gut unterhalten kann. Anthony Hopkins bietet eine extrem übersteigerte Version seiner Paraderolle Hannibal Lecter: Stets hat er die Zügel in der Hand, ahnt die Schritte seiner Gegner vorraus und lässt sie das mit Freude auch spüren.
Ryan Gosling spielt seinen karrieregeilen und aalglatten Staatsanwalt ebenfalls sehr überzeugend. Selbst als er zum Schluss scheinbar die Moral für sich wiederentdeckt kann man spüren, dass ihn vor allen der Siegeswille anspornt. Mehr noch als dem Opfer Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, möchte er sich wohl einfach am arroganten Crawford rächen.
Die Thrillerhandlung selber konnte mich dagegen nicht so recht überzeugen. Die Spannung hält sich in Grenzen, konzentriert sich im Prinzip auf den Schlusstwist, den man natürlich die ganze Zeit erwartet. Leider schleichen sich bis dahin einige Längen ein. Im eigentlichen Fall passiert zu wenig und vor allem der Nebenstrang mit Slocum's möglichem Karrieresprung in eine Privatkanzlei, wo er schon mal die Büroausstattung bestellt und seine neue Chefin flachlegt, nervt ziemlich.
Gerade letztere Figur taucht unvermittelt auf und wirft sich Slocum an den Hals. Ich vermute mal, dass die beiden schon vorher ein Verhältnis hatten, durch die Handlung wird das jedenfalls nicht klar.
Letztlich auch egal, da das alles nur als Füllmaterial dient, was schon schade ist.
So kann man abschliessend festhalten, dass mit den beteiligten Schauspielern sicher mehr drin gewesen wäre. Vieles wirkt im Nachhinein recht halbherzig und einfallslos umgesetzt. Ausserdem hätte ein stärkerer Fokus auf die Konfrontation der beiden Hauptfiguren dem Thriller sicher nicht geschadet.
Somit leicht überdurchschnittlich, aber nicht mehr.
Screenshots: Karrierist Slocum (Ryan Gosling) ist so mit Jobwechsel und Freundin beschäftigt, ...

...dass er lange Zeit chancenlos gegen den äusserst gewieften Crawford (Anthony Hopkins) erscheint.

Normale Wertung: 5,5 von 10 Punkten
11 Juni 2008
La Vie en rose - FRA/GB/CZE 2007
OFDB-LinkGenre(s): Biographie / Musik / Drama
Laufzeit: ca. 134 Min.
Alterseinstufung: FSK 12
Inhalt:
Schon früh träumt die kleine Édith Giovanna Gassion (Marion Cotillard) von einer Karriere als Sängerin, um dem bettelarmen Pariser Stadtteil, in dem sie ihre Eltern Louis (Jean-Paul Rouve) und Annetta Gassion (Clotilde Courau) aufziehen müssen, zu entfliehen. Unter dem Künstlernamen La Môme Piaf ("Kleiner Spatz") gelingt der nur knapp 1,42 Meter großen Chanteuse der Durchbruch, nachdem sie der Nachtclubbesitzer Louis Leplée (Gérard Depardieu) entdeckt hat. Es folgen tragische Romanzen, Alkoholexzesse und Krankheiten.
Kritik:
Ok, ich gebe es unverhohlen zu: Ohne Kenntnis von dem diesjährigen Oscar für die weibliche Hauptdarstellerin Marion Cotillard wäre La Vie en rose mit Sicherheit nicht so schnell auf meinem filmischen Speiseplan gelandet. Womit auch mal wieder der Beweis erbracht wäre, dass ein Oscar durchaus marketingtechnischen Wert besitzt.
Nun, nach der Sichtung dieser Édith-Piaf-Biographie ist einem auf alle Fälle klar, warum Marion Cotillard den Oscar gekriegt hat, denn ihre darstellerische Leistung ist phänomenal. Zusammen mit der Maskenbildnerin interpretiert sie die Piaf in verschiedensten Altersstufen absolut perfekt.
Leider kann man das vom Rest des Films nicht behaupten. Regisseur Olivier Dahan schert sich leider nicht besonders um die Zugänglichkeit des Stoffs. So gibt es dramaturgisch zwar durchaus vertretbare Zeitsprünge, die aber teils so abrupt erfolgen, dass man teilweise ein wenig verwirrt ist.
Am negativsten empfand ich aber, dass kaum etwas erklärt wird. Scheinbar wird hier vorausgesetzt, dass man Edith Piaf's Biografie bereits kennt.
Denn es gibt einen Reigen an Nebenfiguren, die teilweise nur ganz kurz auftauchen. Aber auch bei den wichtigeren Begleitern verliert man schnell den Überblick, wer denn nun aus welchem Grund gerade an der Seite von Edith Piaf zu sehen ist.
Nur ein Beispiel: Da sitzen die jugendliche Edith und eine junge Frau zusammen und es fällt der Satz "Nun sind wir schon 5 Jahre Schwestern."
Da wäre doch etwas Erklärung angebracht gewesen.
Genausowenig erfährt man praktisch nichts über ihre Erkrankung. Was ihr fehlt kann man nur mutmassen. Dafür gibt es ein Übermass an Alkohol- und Drogenkonsum zu sehen.
Auch mit den Zeitsprüngen kann ich mich nicht ganz anfreunden, denn meiner Ansicht nach wichtige Abschnitte, wie z.B. die Zeit des zweiten Weltkriegs fehlen komplett.
Oder Piafs Tochter? Kommt wohl ein paar Sekunden in einer verwirrenden Fiebervision zum Schluss vor.
Kurzum gesagt, mit einen vernünftigen Drehbuch wäre hier deutlich mehr dringewesen. Denn die Hauptdarstellerin Marion Cotillard liefert eine grandiose Vorstellung ab.
So bleibt aber dieses Musiker-Biopic deutlich hinter Meisterwerken wie z.B. Walk the Line zurück. Schade!
Screenshots: Schon früh muss die kleine Édith den ersten Auftritt absolvieren.

Als sie von Louis Leplée (Gérard Depardieu) entdeckt wird, startet ihre grosse Karriere.

Doch privat ist ihr vom Schicksal kaum Glück vergönnt.

Normale Wertung: 6 von 10 Punkten
Labels: 2007, ab12, Europa, Frankreich
04 Juni 2008
Juno - USA 2007
OFDB-LinkGenre(s): Komödie / Drama
Laufzeit: ca. 96 Min.
Alterseinstufung: FSK 6
Inhalt:
Die 16-jährige Juno (Ellen Page) ist ein aufgeweckter Teenager, der vor einer großen Herausforderung steht: Sie ist ungewollt schwanger von ihrem Klassenkameraden Paulie (Michael Cera). Mit Hilfe ihrer besten Freundin Leah (Olivia Thirlby) sucht sie für ihr Ungeborenes die perfekten Eltern: Das Vorstadt-Pärchen Mark (Jason Bateman) und Vanessa (Jennifer Garner), die seit Jahren ein Kind adoptieren wollen. Junos Eltern (J.K. Simmons, Allison Janney) stehen hinter ihrer Entscheidung.
Kritik:
Juno ist eine Independent-Komödie, die sich in den USA zum Kassenschlager entwickelt hat und bei den diesjährigen Oscars den Preis fürs beste Drehbuch absahnen konnte.
Doch auch wenn die Figuren allesamt ziemlich originell wirken und die Dialoge pointiert gesetzt sind, so scheint mir dieser Oscar unverdient. Denn es fehlt einfach an Drama im Film, und an Authentizität.
Kaum ist die Schwangerschaft festgestellt und den Eltern gebeichtet (prima Szene), da findet sich auch schon das Adoptivpärchen und vor allem der Mittelteil des Films plätschert vor sich hin, ohne die Probleme der minderjährigen Schwangeren deutlicher zu thematisieren. Die vermittelt vielmehr eine "Piece of Cake"-Einstellung, die dann doch etwas zu locker rüberkommt. In jedem 08/15-Highschool-Film werden Leute wegen weit geringerer "Andersartigkeit" zu Aussenseitern und Geächteten.
Zum Thema Glaubwürdigkeit: Bei den nerdigen Treffen von Juno mit dem zukünftigen Adoptivpapa des Kindes freut sich zwar der Mittdreissiger über diverse popkulturelle Feststellungen, aber so richtig abnehmen will man Juno ihre Vorliebe für 70er Jahre Punkrock und Gore-Filme nicht. Was sicher vor allem auch an ihrer Ausdrucksweise liegt, die man in dieser Form ansonsten am ehesten bei den Figuren von Dawson's Creek antrifft - dort haben sich Teenager auch bereits wie Mittdreissiger artikuliert.
Ellen Page zeigt zum wiederholten Male, was sie jetzt schon drauf hat (auch wenn das sicher ebenfalls nicht Oscarreif ist). Neben ihr gefiel mir Michael Cera als stiller Vater (sehr authentisch), aber vor allem Jennifer Garner, die als stockkonservative Adoptivmama in spe mal eine andere Rolle als ihre Üblichen spielen und etwas Schauspieltalent zeigen darf.
Auch der Soundtrack wusste mir zu gefallen mit vielen Gitarren-Nummern - das dürfte allerdings deutliche Geschmackssache sein.
Die genannten Kritikpunkte sollen jetzt nicht zu negativ klingen, denn Juno ist trotzdem unterhaltsam und für Fans etwas anderer Komödien durchaus empfehlenswert.
Aber für den Komödien-Olymp reicht es beiliebe nicht. Ich hatte mir jedenfalls deutlich mehr erwartet...
Screenshots: Die zukünftigen Adoptiveltern (Jennifer Garner, Jason Bateman).

Eine gute Szene: Die starken Frauen bei der Schwangerschaftsuntersuchung.

Juno (Ellen Page) und der Kindsvater Paulie (Michael Cera).

Normale Wertung: 6,5 von 10 Punkten
25 Mai 2008
Inside - À l'intérieur - FRA 2007
Internationaler Titel: InsideOFDB-Link
Genre(s): Horror / Splatter / Thriller
Laufzeit: ca. 83 Min. (Uncut)
Altersempfehlung: FSK 18
Bemerkung: Französischsprachige Originalfassung mit engl. Untertiteln
Inhalt:
Ein schwerer Autounfall macht die schwangere Sarah (Alysson Paradis) zur Witwe. Dieses Trauma setzt ihr schwer zu, und so verbringt die werdende Mutter, die kurz vor der Niederkunft steht, Weihnachten ganz allein in ihrer Wohnung. Doch als ob dies nicht schon schlimm genug wäre, bedroht plötzlich eine mysteriöse Psychopathin (Béatrice Dalle) ihr Leben. Jeder, der ihr im Wege steht, wird von ihr ermordet, denn sie hat es mit aller Macht auf Sarahs ungeborenes Kind abgesehen. Doch Sarah kämpft verzweifelt um das Leben ihres Kindes…
Kritik:
Während Hollywood in Sachen Horror bald nur noch an Remakes denkt, kommen aus anderen Teilen der Welt bemerkenswerte Genrebeiträge. In Frankreich scheint man dabei die Grenzen des Genres ausloten zu wollen, denn vier Jahre nach dem für viele schockierenden Thriller High Tension kommt nun À l'intérieur, der in Sachen Gewaltdarstellung und Brutalität noch mal gehörig was draufpackt und dabei High Tension wie Kinderkram aussehen lässt.
Was hier geboten wird lässt den Genrefreund sprachlos und tief beeindruckt zurück. Zugleich dürfte der Film aber auch nicht nur bei den deutschen Sittenwächtern die Grenze des "guten Geschmacks" überschritten haben.
Denn hier wird nicht nur kompromisslos gesplattert, sondern der Horror betrifft auch noch eine hochschwangere Frau, der man (ohne hier spoilern zu wollen) im wahrsten Sinne des Wortes ihr Baby aus dem Leib schneiden will.
À l'intérieur versteht es dabei die Klaviatur des Schreckens langsam zu spielen. Man beginnt dabei zwar mit einem Knalleffekt, aber danach gibt man uns etwas Zeit, um Sarah kennenzulernen, und uns mit ihr zu sympathisieren.
Bald schon befindet sie sich in ihrem einsam gelegenen Haus, wo sie der Psychopathin mehr oder weniger wehrlos ausgeliefert ist... hieraus entwickelt sich ein Thriller, der diese Bezeichnung wirklich verdient.
Als Zuschauer ist man gespannt und wird wieder und wieder schockiert. Die Brutalität wirkt dabei, ebenso wie bei High Tension, nie "lustig", wie es bei Splatterfilmen leicht der Fall sein kann. Natürlich geht exzessive Gewalt im Film bei dem konditionierten Zuschauer heutzutage auch mit "Spass" einher. Doch wer sich in die Lage der Opfer hineinversetzt, dem muss das Gezeigte an die Nieren gehen.
Natürlich gibt es auch bei À l'intérieur Kritikpunkte. So verhalten sich die Polizisten nicht besonders intelligent, es gibt die eine oder andere Logiklücke und auch die Auflösung ist sicher nicht Jedermanns Sache.
Doch ist das zu vernachlässigen, denn die Atmosphäre stimmt. Die Schockeffekte sitzen und alles wirkt höchstprofessionell, obwohl sicher kein riesiges Budget zur Verfügung stand. Handwerklich gut gemachte Splattereffekte hängen CGI eben immer noch bei weitem ab.
Auch Soundtrack und Kameraarbeit verdienen ein grosses Lob - verstärken sie doch entscheidend die Thriller-Atmosphäre.
Schauspielerisch konzentriert sich alles auf die beiden Frauen. Und sowohl Alysson Paradis als auch Béatrice Dalle bringen ihre archetypisch gute bzw. böse Rolle hervorragend rüber.
Fazit: À l'intérieur ist für jeden Horrorfreund ein Pflichttermin und kann getrost zu den Highlights des Jahres gezählt werden.
Zartbesaitete Naturen kann man allerdings nur warnen, denn der Härtefaktor bewegt sich am derzeitigen Maximum im Horrorbereich.
P.S.: Dieser Tage erscheint Inside - À l'intérieur in Deutschland auf DVD. Allerdings gehe ich nicht von einem ungeschnittenen Release aus, bzw. dürfte eine baldige Indizierung so oder so reine Formsache sein.
Screenshots: Die schwangere Sarah (Alysson Paradis) wird von...

...einer Psychopathin (Béatrice Dalle) gejagt.

Normale Wertung: 9 von 10 Punkten
Labels: 2007, Europa, Frankreich, Originalsprache
10 Mai 2008
Der Nebel - USA 2007
OFDB-LinkGenre(s): Horror / Thriller
Laufzeit: ca. 126 Min.
Alterseinstufung: FSK 16
Inhalt:
Nach einer stürmischen Nacht zieht eine dicke Nebelbank über einer kleinen Stadt in Maine auf. Dave Drayton (Thomas Jane) ist gerade mit seinem fünfjährigen Sohn im Supermarkt, als sie von den dichten Wolken umzingelt werden. Die Einwohner bleiben zunächst im Markt, denn so langsam wird ihnen klar, dass dieser Nebel etwas Unmenschliches beherbergt. Unter ihnen befindet sich auch die fanatische Gläubige Mrs. Carmody (Marcia Gay Harden), die mit wahnsinnigen Predigten immer mehr Leute in ihren Bann schlägt. Bald weiß Drayton nicht mehr, wo es gefährlicher ist – drinnen oder draußen.
Kritik:
Bereits zum vierten Mal verantwortet Regisseur Frank Darabont die Verfilmug einer Stephen-King-Vorlage. Nach den sehr gelungenen Umsetzungen Die Verurteilten und The Green Mile hatte ich grosse Hoffnungen in den Film. Die King'sche Novelle gehört zu meiner Lieblingsliteratur und ich habe sie im Verlauf der Jahre bestimmt 10x gelesen.
Wer die Vorlage kennt, der stellt dann auch schnell fest, dass sich Darabont absolut eng an die Vorlage hält. Das ist einerseits positiv, weil die Geschichte gut und spannend ist. Andererseits resultieren daraus aber auch die Schwächen des Films.
Denn vor allem die Dialoge klingen (zumindest in der Synchro) seltsam altbacken und haben keine Dynamik. Man merkt die Vorlage aus den späten 70ern (veröffentlicht: 1980) und wundert sich, warum sich dabei niemand um etwas Anpassung und Modernisierung bemüht hat.
Zweiter grosser Kritikpunkt ist die Dominanz der bösen Mrs. Carmody, die einfach viel zu viel Platz eingeräumt bekommt. Ja ihr religiöser Fanatismus und Wahn ist natürlich auch ein wichtiger Bestandteil des Buches, aber dort fielen ihre Predigten längst nicht so unangenehm und penetrant auf. Hier rutscht man unruhig im Stuhl hin und her, weil ihre Figur einfach nervt und die Balance des Films negativ beeinflusst.Denn der guten schauspielerischen Leistung von Marcia Gay Harden kann Thomas Jane als Held nicht allzuviel entgegensetzen und bleibt verhältnismässig blass. Der wiederum muss sich zum Teil mit Hinterwäldlern herumschlagen, die in der Buchvorlage aus den 70ern wunderbar funktionieren, aber hier unfreiwillig komisch wirken. So etwa, wenn er zu der Erkenntnis gelangt, dass das Licht im Laden die Kreaturen ausserhalb ans Fenster zieht und dies den Übrigen zuruft. Doch die Hinterwäldler knipsen wie auf Kommando alle Lampen an, was einfach nur stupide rüberkommt.
Der letzte Kritikpunkt sind dann noch die CGI-Effekte, die einfach viel zu klar als solche erkennbar sind. Dass die Monster insgesamt recht künstlich designt wurden, lasse ich mir gern eingehen, doch wirken ihre Bewegungen und Auftreten oft nicht flüssig und lebensecht.
Den Kritikpunkten gegenüber steht aber zum einen eine sehr gute und spannende Geschichte, die auch heute noch gut funktioniert. Zum anderen hält sich Darabont bei diesem Mainstream-Horrorfilm nicht zurück und lässt es in Sachen Splatter recht krachen. Der Gruselfaktor ist auch nicht zu verachten (die Spinnen!).
Höhepunkt ist aber ganz klar das Finale. Witzigerweise ist genau das der einzige Teil, wo Darabont von der Vorlage abweicht und das offene Ende der Novelle weiterentwickelt. Was er sich ausgedacht hat, dürfte durchaus im Sinne von Stephen King liegen und hat mich begeistert. Der Schluss hebt den Film noch eine Stufe höher und dürfte noch weit über den Abspann nachwirken.
Wobei man klar darauf hinweisen muss, dass sich an dem Schluss wohl die Geister scheiden werden und nicht wenige sich vor den Kopf gestossen fühlen könnten.
Fazit: Eine gelungene King-Verfilmung, ein guter Horrorfilm, der aber leider durch einige Schwächen nach unten gezogen wird. Von mir gibts in der Erstwertung 7 Punkte plus einen Punkt Bonus für die Verfilmung einer meiner absoluten Lieblingsgeschichten.
Screenshots: Weil draussen im Nebel das Grauen lauert, verschanzen sich die Shopper...

...im Geschäft. Doch auch dort sind sie nicht sicher...

Normale Wertung: 8 von 10 Punkten
15 April 2008
Into the Wild - USA 2007
OFDB-LinkGenre(s): Abenteuer / Drama
Laufzeit: ca. 148 Min.
Alterseinstufung: FSK 12
Inhalt:
Mit 20 Jahren stehen dem herausragenden Sportler und Studenten Christopher McCandless (Emile Hirsch) alle Türen weit offen. Dennoch entscheidet er sich nach seinem Studienabschluss im April 1992 spontan, seine privilegierte Existenz und das Elternhaus (William Hurt, Marcia Gay Harden) hinter sich zu lassen. Er spendet seine Ersparnisse und trampt ohne einen Cent in der Tasche quer durch die Staaten in die Wildnis nach Alaska. Vier Monate später findet man seine Leiche.
Kritik:
Fast schon beruhigend finde ich es, wenn mein eigenes Empfinden sich ab und zu deutlich von dem vieler anderer unterscheidet.
In jedem Review, das ich bisher gelesen habe, wurde Into the Wild hochgelobt. Nun, ich konnte mit dem Film leider gar nichts anfangen.
Weder gelang es mir zu der Hauptfigur einen Bezug herzustellen, noch seine Handlungen zu verstehen, oder gar gutzuheissen. Im Gegenteil war ich bald schon recht sauer darüber wie Regisseur Sean Penn hier den Abstieg des Christopher McCandless', der letzlich mit dessen Tod endet, idolisiert.
Da wird auf plumpste Art und Weise Kapitalismuskritik geübt und der Gegenentwurf der bewussten Mittellosigkeit quasi als philosphischer Durchbruch gefeiert.
Meine Meinung dazu ist, dass so etwas am ehesten Milionären wie Sean Penn einfällt, die das Verbrennen von Geld für eine Glanzleistung halten.
Wie gesagt ich konnte dem rein gar nichts abgewinnen. Somit waren für mich auch nur die anderen Figuren von Interesse.
Schauspielerisch ist der Film toll besetzt, wobei ich Emile Hirsch als Hauptdarsteller noch eine der schwächeren Leistungen zuspreche.
Auch an der handwerklichen Umsetzung, wie der schönen Kameraarbeit, kann man nicht meckern, doch leider hilft einem das auch nicht über die mit 148 Minuten viel zu lang angesetzte Laufzeit hinweg.
Stattdessen stellte sich bei mir gähnende Langweile ein, die nur von der Ablehnung der verklärten und romantischen Sichtweise auf den geistig verstörten Aussteiger McCandless abgelöst wurde.
Somit 3 Punkte in Anerkennung der handwerklichen Umsetzung - trotzdem ein Film, mit dem man mich jagen kann...
Screenshots: Christopher McCandless (Emile Hirsch) zieht allein in die Wildnis.

Zwei Hippies, die ihn ein Stück seines Weges begleiten.

Normale Wertung: 3 von 10 Punkten
12 April 2008
P2 - USA 2007
OFDB-LinkGenre(s): Horror / Thriller
Laufzeit: ca. 98 Min.
Altersempfehlung: Keine Jugendfreigabe
Bemerkung: englischsprachige Originalfassung
Inhalt:
Die ehrgeizige Angela Bridges (Rachel Nichols) arbeitet an Heiligabend noch bis weit nach Feierabend, um einen wichtigen Vertrag fertigzubekommen. Als sie das Gebäude mit ihrem in der Tiefgarage geparkten Wagen verlassen will, springt dieser nicht an. Security-Mann Thomas (Wes Bentley) bietet ihr in den menschenleeren Park-Ebenen seine Hilfe an. Zu spät merkt Angela, dass sich hinter der Fassade des braven Angestellten ein Psychopath verbirgt, der sie schon länger heimlich beobachtet und nun um jeden Preis einen romantischen Weihnachtsabend mit ihr verbringen will.
Thomas betäubt sie und sie erwacht in Ketten...
Kritik:
P2 ist nach dem grottenschlechten No Way Up innerhalb weniger Jahre ein weiterer Vertreter aus dem Untergenre der Tiefgaragen-Horrorthriller.
Mit Alexandre Aja (Regie bei High Tension, Hills have Eyes Remake) als Produzent und Co-Autor des Drehbuchs hatte ich mir mehr versprochen, als letztlich rüberkam.Um eines vorwegzunehmen: Splatterfans werden sehr enttäuscht. Denn P2 setzt mehr auf psychologischen Horror als auf Gewalt. Doch leider funktioniert das Katz- und Mausspiel zwischen Psychopath und Entführungsopfer nur nach Schema F.
So ist P2 zwar solide inszeniert und für einen Horrorfilm auf eine recht glaubhafte logische Basis gefusst, doch fehlt es einfach an Spannung.
Der Herzschlag erhöht sich allenfalls kurz, wenn Rachel Nichols das erste Mal ihren Ausschnitt präsentiert bzw. bei ihrer Entführung. Ansonsten plätschert die Handlung vor sich hin. Man hat fast schon den Eindruck, dass den Autoren nach dem gelungenen Anfang ein wenig die Ideen ausgegangen sind.
Denn auch wenn Angela weitgehend die üblichen Fehler vermeidet, die die Opfer in Horrorfilmen gerne machen, läuft es doch so ab, dass sie gefangen wird, sich befreit, dann wieder eingefangen wird. Es sterben Unbeteiligte und der Psycho legt seine Lieblings-Weihnachtsplatten auf. Das ist alles nicht unbedingt schlecht, aber leider nur mässig unterhaltsam.
Dem Film gut getan hätten zwei begabte Hauptdarsteller, die ihre Charaktere intensiv rüberbringen - schliesslich sieht man sonst kaum Figuren. Doch leider sind Rachel Nichols und Wes Bentley in dieser Hinsicht wohl überfordert, denn sie können ihre Rollen praktisch nicht vom üblichen Klischee lösen.
So bleibt dem Horrorfan die Erkenntnis, dass nicht alles, wo Aja draufsteht auch besonders gut sein muss und dass sich Parkhäuser scheinbar nicht besonders gut als exklusives Setting für gelungene Horrofilme eignen.
Screenshots: Wenn er nicht grade zu Elvis groovt...

...lauert Thomas (Wes Bentley) im Dunkeln der Tiefgarage.

Angela (Rachel Nichols) kämpft um ihr Leben.

Normale Wertung: 5 von 10 Punkten
Labels: 2007, Originalsprache, USA
08 April 2008
Persepolis - FRA 2007
OFDB-LinkGenre(s): Animation / Drama
Laufzeit: ca. 90 Min.
Alterseinstufung: FSK 12
Inhalt:
Punkmusik, ABBA, Iron Maiden und natürlich Jungs - das sind die großen Leidenschaften des Mädchens Marjane, das im Iran lebt. Daran kann auch die Machtergreifung durch die fundamentalistischen Mullahs, die den Schah aus dem Land gejagt haben, nichts ändern. Marjane begehrt auf gegen die Verschleierungspflicht für Frauen, gegen die Bespitzelung der Bevölkerung und die Repressalien gegen ihre Familie. So groß ist Marjanes Lebenshunger, dass die Eltern sie sicherheitshalber außer Landes schicken, bevor Schlimmeres geschieht...
Kritik:
Was mir bei Persepolis am besten gefällt ist die scheinbare Leichtigkeit, mit der die Geschichte daherkommt. Schon nach wenigen Minuten wird man ihren Bann geschlagen und bis zum Schluss kommt kaum einmal Langeweile auf (mal abgesehen von der Episode in Wien).
Auch die ausgewogene Mischung aus persönlichen Coming-of-Age-Erfahrungen und politischer Geschichte der Unterdrückung im Iran kann überzeugen. Nie gerät der Film in Gefahr zu sehr in eine Richtung abzudriften.
Neben der Story gefiel mir auch der (traditionelle) Zeichenstil, der sich deutlich von dem immer lebensechteren Hollywood-Animationen bzw. den Animes aus Fernost unterscheidet.
Vom künstlerischen Standpunkt fand ich den heutzutage ungewöhnlichen Zeichenstil und den fast vollständigen Verzicht auf Farben (90% in schwarzweiss) sehr gelungen.
Die bedrückenden Erfahrungen aus der Diktatur der Mullahs werden dabei immer wieder mit witzigen Einlagen aufgelockert. Das macht den Film zugänglich für ein breites Publikum, ohne dass man dabei ein klares politisches und feministisches Statement aus den Augen verliert.
Kurzum gesagt ist Persepolis ein anspruchsvoller Zeichentrickfilm, der aber trotzdem leicht zugänglich und sehr berührend ist. Unterhaltung mit Niveau und somit 7 Punkte von mir.
Screenshots: Die Revolutionäre schikanieren Marjane's Familie.

Ihre westliche Kleidung ist den Konservativen ein Dorn im Auge.

Die Revolutionswächter sind gefürchtet...

Normale Wertung: 7 von 10 Punkten
Labels: 2007, Europa, Frankreich
16 März 2008
Prinzessinnenbad - BRD 2007
OFDB-LinkGenre(s): Dokumentation
Laufzeit: ca. 90 Min.
Alterseinstufung: FSK 12
Inhalt:
Klara, Mina und Tanutscha sind fünfzehn. Aufgewachsen bei ihren Müttern in Berlin Kreuzberg kennen sie sich seit ihrer Kindheit. Sie teilen dieselben Interessen, gehen zusammen auf Parties, stehen auf ähnliche Jungs oder verbringen die Tage mit Freunden im Prinzenbad. Eigentlich sind sie unzertrennlich. Doch an der Schwelle zum Erwachsenwerden, fangen die drei Mädchen an, ihre eigenen Wege in der Welt zu suchen: Klara bricht die Schule ab, Mina möchte mit ihrem Freund zusammen sein und Tanutscha fordert von ihrer Mutter mehr Freiheit.
Kritik:
Anfänglich ist es noch recht interessant, wie die Dokumentation die Lebensverhältnisse der drei Mädchen zeigt. Viele Klischees werden bestätigt, aber auch einige widerlegt.
Doch mit der Zeit wird das Ganze zusehends langweiliger. Die Momentaufnahmen plätschern dahin und man verliert das Interesse.
Mir fehlte einfach eine klarere Ausrichtung der Dokumentation, bzw. ein etwas packenderer Zusammenschnitt der (öden) Realität.
So bewegt sich das Ganze zwischen den Stühlen - trotz Dauerbeschallung mit Hip-Hop gelingt nämlich kein Porträt einer Jugendgeneration oder -szene.
Und die vermittelten "Erkenntnisse" (zB über im Film fast völlig fehlende Väter) sind leider altbekannt und einfach zu unspektakulär, um die 90 Minuten auszufüllen.
Aber so kommt es einem wie eine aufgeblähte TV-Doku vor.
Screenshots: Mina und ihr Freund.

Tanutscha und Klara amüsieren sich im Café.

Normale Wertung: 4 von 10 Punkten
Labels: 2007, Deutschland
26 Februar 2008
Tödliche Versprechen - Eastern Promises - GB/CAN/USA 2007
OFDB-LinkGenre(s): Drama / Thriller
Laufzeit: ca. 101 Min.
Alterseinstufung: FSK 16
Inhalt:
Bei einer Geburt in einem Londoner Krankenhaus stirbt die junge russische Mutter in den Armen der Hebamme Anna (Naomi Watts). Da die Identität der Toten, einer offenbar illegalen osteuropäischen Prostituierten, unbekannt ist, setzt Anna alles daran, die Angehörigen des verwaisten Säuglings zu finden. Ihre einzigen Hinweise sind ein in russisch geschriebenes Tagebuch und ein Streichholzbriefchen mit dem Namen eines russischen Restaurants. Anna folgt der Spur und trifft dabei auf den attraktiven Nikolai (Viggo Mortensen). Der arbeitet für den ebenso einflussreichen wie zwielichtigen Restaurant-Besitzer und Patriarchen Semyon (Armin Müller-Stahl). Als Anna entdeckt, dass das Tagebuch Beweise enthält, die Semyon und seinen Sohn Kirill (Vincent Cassel) für viele Jahre hinter Gitter bringen könnten, schwebt sie schon längst in höchster Gefahr...
Kritik:
Auf den ersten Blick scheint Eastern Promises ein recht konventionelles Thrillerdrama über die russische Mafia zu sein. Regisseur David Cronenberg setzt hier fort, was er schon bei A History of Violence angefangen hat, nämlich eine thematische Annäherung an den Mainstream.
Doch unter der Oberfläche gibt es für den Perlentaucher einiges zu entdecken.
Das Offensichtlichste zuerst: Technisch ist Eastern Promises voll auf der Höhe. Die Sets sind stimmig, wozu ich auch das fast durgehende schmuddelige Wetter zähle. Auch die Kameraarbeit ist toll geraten.
Doch im Cast liegt die Stärke des Films. Unter Cronenberg's Führung können die Hauptdarsteller bei ihren Rollen Akzente setzen, die in einer traditionellen Mainstream-Produktion so sicher nicht möglich wären.
Bestes Beispiel ist Armin Mueller-Stahl, der zunächst scheinbar in seiner ewigen Rolle als netter und sympathischer Alt-Immigrant zu sehen ist. Doch schnell entpuppt er sich als Chef seines Mafia-Clans, dessen düstere Seite kaum einmal direkt zu sehen ist (nur als er seinen Sohn züchtigt) - sondern über den wir aus dem Off ein abscheuliches Detail nach dem anderen erfahren.
Mueller-Stahl schafft es dabei nur mit seinen Blicken und bedächtigen Sätzen beim Zuschauer eine Gänsehaut zu erzeugen. Zwischen den Zeilen lauert das Monster...
Aber auch die anderen Castmitglieder sind einerseits recht offensichtlich nach ihrem Typ bzw. Image gecastet worden, schaffen es aber trotzdem ihren Figuren Tiefe zu geben, die man in den üblichen Hollywood-Produktionen vergeblich sucht.
Auf der negativen Seite muss man verbuchen, dass das Drehbuch nicht ganz optimal geraten ist. Trotz guter und intensiver Atmosphäre bleibt es doch zu vorhersehbar und es baut sich nur mässige Spannung auf. Dafür gelingt mit der Kampfszene im Badehaus eine der intensivsten Sequenzen der vergangenen Kinojahre. Wenn ein nackter Viggo Mortensen um sein Leben kämpft, dann hat das eine beeindruckende archaische Kraft.
Angesichts der teils heftigen Gewaltszenen (detailiert werden Kehlen durchschnitten und Finger abgeknipst) wundert mich übrigens das FSK-16-Rating schon ein wenig.
Aber die unverblümte Gewalt ist wie bei A History of Violence mittlerweile noch das einzige Element, das den Mainstream-Zuschauer eventuell noch von Cronenberg's Schaffen abhalten könnte, denn ansonsten ist sein Werk zugänglich wie nie zuvor.
Screenshots: Nach aussen ist Semyon (Armin Müller-Stahl) ein netter alter Herr, ...

...doch in Wahrheit regiert er mit eiserner Hand seinen Mafia-Clan.

Mobster Nikolai (Viggo Mortensen) fällt die hübsche Hebamme Anna (Naomi Watts) sofort auf.

Normale Wertung: 8 von 10 Punkten
